Der Hardware-Architektur-Post dieser Serie hat die drei Hardware-Varianten laut SWS gezeigt. Dieser Post geht eine Ebene tiefer: Was passiert auf PCB-Ebene, wenn ein Frame vom Host durch den Switch zu einem externen Port läuft?

Die host-seitigen Interfaces

Der Host-SoC verbindet sich mit dem Switch-Chip über dieselben MAC-seitigen Interfaces, die auch bei einem einfachen EthTrcv-Setup verwendet werden — das elektrische Interface unterscheidet nicht zwischen "spricht mit einem einzelnen PHY" und "spricht mit einem Switch". Bei höherer Portanzahl und Bandbreite kommt meist RGMII oder SGMII zum Einsatz:

RGMII Interface Diagramm
SGMII/SerDes Interface Diagramm

Diese beiden Diagramme stammen aus dem EthTrcv-Hardware-Deep-Dive dieses Blogs — die elektrische Spezifikation von RGMII/SGMII ändert sich nicht dadurch, dass am anderen Ende ein Switch statt eines einzelnen PHYs sitzt. Bei einem Switch ist "PHY" in den Diagrammen entsprechend durch "Switch" zu lesen.

Interne Port-zu-Port-Verbindungen

Der wesentliche Unterschied zu einem einfachen Transceiver-Setup: Zwischen den externen Ports gibt es keinen klassischen Bus, über den der Host mitlesen könnte. Die Forwarding-Entscheidung passiert vollständig switch-intern, wie im folgenden Diagramm dargestellt:

Frame-Pfad durch den Switch

Der Host sieht in dieser Architektur ausschließlich Frames, die für ihn selbst bestimmt sind, plus alles, was er explizit über Mirroring (siehe Teil 4 dieser Serie) anfordert.

Eingebettete vs. externe PHYs

Wie im Hardware-Architektur-Post gezeigt, hängt die physische Anbindung der externen Ports von der Hardware-Variante ab:

  • Eingebettete PHYs (Variante 2) — kein zusätzlicher IC pro Port, der Switch-Chip selbst treibt die Leitung

  • Externe PHYs (Varianten 1 und 3) — pro Port ein eigenständiger EthTrcv-Chip, angebunden über MII/MDIO

Für die MDI (Medium Dependent Interface), also den eigentlichen Kabelanschluss, gelten dieselben Aspekte wie beim einfachen Transceiver: Single-Pair-Leitung bei 100BASE-T1/1000BASE-T1, automotive Steckverbinder (FAKRA, HSD, MATEnet), EMV-Filterung durch Common-Mode-Chokes.

Power Sequencing bei Mehrport-Chips

Ein Switch-Chip mit mehreren (ggf. eingebetteten) PHYs hat ein deutlich komplexeres Power-Sequencing-Problem als ein einzelner PHY: Mehrere Spannungsebenen (Kern, I/O, PHY-Analogteil je Port) müssen in der richtigen Reihenfolge hochfahren, bevor EthSwt_Init überhaupt erfolgreich auf die Register zugreifen kann (siehe ETHSWT_E_ACCESS in Teil 2 dieser Serie). Ein einzelner falsch sequenzierter Port kann im schlimmsten Fall den gesamten Switch-Boot blockieren, wenn der Chip beim Reset auf einen gemeinsamen internen Bus wartet, der von allen Domänen gespeist wird.

EMV-Aspekte bei dicht gepackten Ports

Mehrere Hochfrequenz-Leitungen (RGMII bei 125 MHz DDR, mehrere Single-Pair-Kabel) dicht nebeneinander auf einer Leiterplatte erhöhen das Risiko von Übersprechen zwischen benachbarten Ports. In der Praxis bedeutet das: ausreichender Leitungsabstand, konsequente Massefläche zwischen Port-Gruppen und eine sorgfältige Leiterbahnführung sind bei Mehrport-Switches noch wichtiger als bei einem einzelnen PHY.

Vom Bit zum Signal — ein Frame durch den Switch

  1. Frame kommt am Host-Interface (RGMII/SGMII) an

  2. Forwarding-Engine führt den ARL/FDB-Lookup durch (siehe ARL-Tabelle-Post)

  3. VLAN- und Prioritätsbehandlung laut Ingress-Konfiguration (Teil 3/4)

  4. Einreihung in die passende Egress-Queue (siehe TSN-Post zu Shapern)

  5. Ausgabe am Zielport, ggf. mit VLAN-Retagging

Switches arbeiten in aller Regel Store-and-Forward: Ein Frame wird vollständig gepuffert, bevor die Weiterleitungsentscheidung getroffen wird — im Gegensatz zu Cut-Through, wo bereits nach dem Header weitergeleitet wird. Das kostet zusätzliche Latenz (proportional zur Framegröße), ist aber notwendig, um z. B. die CRC vor der Weiterleitung zu prüfen und fehlerhafte Frames nicht ins gesamte Netz zu streuen.

Zusammenfassung

AspektKernaussage

Host-Interface

RGMII/SGMII — dieselbe Elektrik wie bei einem einfachen EthTrcv-Setup

Interner Frame-Pfad

Läuft vollständig switch-intern über die Forwarding-Engine, der Host sieht nur relevante bzw. gespiegelte Frames

Power Sequencing

Bei Mehrport-Chips deutlich komplexer als bei einem einzelnen PHY

Store-and-Forward

Der Standardfall bei automotive Switches — kostet Latenz, sichert aber CRC-Prüfung vor Weiterleitung